Aktuelles

Magie des Staunens

Rachel Carson, Meeresbiologin und Naturschriftstellerin, hat mit ihrem Buch „Der stumme Frühling“, das 1962 erschienen ist, einen starken Impuls zur Gründung der internationalen Umweltbewegung gesetzt. Ihr Werk sowie ihr unermüdlicher Kampf führten schließlich zum Verbot von DDT. Sie gilt als eine der einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts.

Ein weniger bekanntes Büchlein ist die „Magie des Staunens“. Mit einem feinen Sinn für die Natur und die Bedeutung für uns Menschen beschreibt sie sehr einfühlsam, wie sie zusammen mit ihrem Großneffen Roger die Natur entdeckt. Das Buch hat mich verzaubert, und so gehört zu jenen seltenen Büchern, die ich schon mehrfach gekauft habe, um sie zu verschenken. Folgen wir doch einfach dem Text, der auf der Buchrückseite zu lesen ist: „Höre auf dein Herz und lerne das Staunen!“

Ich wünsche allen eine friedliche Zeit zum Staunen über die Wunder, die es überall zu entdecken gilt.

 

Rachel Carson (2019): Magie des Staunens. Die Liebe zur Natur entdecken. Erschienen bei Klett-Cotta

Artensterben – Wörtersterben

Laut Wissenschaftlern steht die Welt am Anfang des sechsten Massensterbens in der Erdgeschichte. Etwa alle zehn Minuten sterbe eine Tier-, Pilz- oder Pflanzenart aus  (Deutsche Welle 11.10.2021).
Aber nicht nur die Arten sterben aus, sondern auch die Worte, mit denen wir Tiere, Pflanzen und Pilze bezeichnen. Das Oxford-Lexikon für Kinder hat Naturbegriffe gestrichen, da sie nicht mehr der Lebenswelt der Kinder entsprechen. Da verschwinden die Eichel, die Weide, der Reiher, der Rabe, die Lerche oder der Eisvogel aus der Sprachwelt; werden ersetzt durch blog, chatroom oder voicemail. Sogar die Kastanie wurde gestrichen – obwohl sie über Jahrzehnte die Hosentaschen der Kinder füllte, zum Basteln im Herbst anregte, und auch heute noch erlebe ich Erwachsene, die eine dieser herrlich glatten Herbstfrüchte als Handschmeichler aufheben und in der Jackentasche verschwinden lassen.

Natürlich listen aktuelle Wörterbücher aktuelle Sprache ab, aber dennoch: Was passiert, wenn wir keine Worte mehr haben, um die Natur um uns herum zu benennen? Nehmen wir sie und ihren Zustand noch weniger wahr? Vertiefen wir uns noch mehr in digitale Welten und spüren immer weniger, das wir uns immer mehr unsere Lebensgrundlage ruinieren?

Robert Macfarlane schreibt in seinem Buch „The Lost Words – A Spell Book“: „We’ve got more than 50% of species in decline. And names, good names, well used can help us see and they help us care. We find it hard to love what we cannot give a name to. And what we do not love we will not save.”

Namen können uns helfen, überhaupt erst zu sehen, wahrzunehmen und uns schließlich auch zu kümmern. Es ist schwer, etwas zu lieben, was wir gar nicht benennen können, für das wir keine Namen haben. Wofür wir keine Namen haben, werden wir auch nicht retten.

Was also tun?

Eva John hat die verloren gegangenen Worte aufgegriffen und mit ihrem „Lost Words Explorer Guide“ einen wunderbaren Pflanzen- und Tierführer gestaltet, der Alt und Jung anregt, sich wieder mit der Natur zu befassen. Da gibt es die Möglichkeit, schön Worte zu sammeln, kreative Schreibimpulse zu nutzen oder Anregungen, um Augen und Ohren wieder zu öffnen, Notizen zu machen – Worte zu finden, um das Erlebte auszudrücken. Gerade der Austausch mit anderen hilft uns, sich gemeinsam wieder auf die Socken zu machen. Auch wenn diese wunderbare PDF auf Englisch geschrieben ist, lassen sich die vielen Anregungen dennoch gut nutzen. Zudem ist es eine Freude, in der anregend gestalteten PDF zu „blättern“.

Ich wünsche allen wunderbare Herbsttage

Hier geht es zu Eva Johns: “Lost Words Explorer Guide”

Hier geht es zu Robert Macfarlanes: „The Lost Words – A Spell Book” (Hervorragend illustriert von Jackie Morris)

Nature Journaling

Eingekuschelt liege ich im Schlafsack und lausche: Es knackt und knistert um mich herum. Ein leiser Wind spielt in den Ästen der hundertjährigen Eiche, der Mond wirft ein sanftes Licht durch die Fenster des Baumhauses, in dem ich die Nacht in 18 Meter Höhe verbringe …

So beginnt der Artikel, den ich für die Zeitschrift Federwelt über das Thema Nature Journaling – das Schreiben eines Naturtagebuches – geschrieben habe.

Nature Journaling kann unterschiedlichen Zwecken dienen: Es bietet die Möglichkeit, sich wieder mehr mit der Natur zu verbinden. Die Notizen können als Grundlage für das Schreiben von Sachbüchern dienen oder für Essays oder Lyrik, die in Richtung Nature Writing gehen. Zudem kann es helfen, Kreativität (neu) zu entdecken oder die eigene Achtsamkeit zu schulen.

Ich nutze das Nature Journaling allerdings auch, um einen Ausgleich zur sitzenden Arbeit am Schreibtisch zu haben. Wir verbringen heute 93% unsere Zeit in geschlossenen Räumen oder im Auto – was erwiesenermaßen zu gesundheitlichen Problemen führt. Andrew Huberman, Neurologe und Augenarzt, empfiehlt morgens und abends wenigstens zwei bis zehn Minuten draußen bei Tageslicht zu verbringen, denn nur das Draußensein balanciert unseren Schlaf-Wach-Rhythmus, regt unseren Stoffwechsel an, hat einen positiven Einfluss auf unsere Stimmung und fördert unsere Konzentrationsfähigkeit. Für jeweils 90 Minuten arbeiten am Bildschirm (fokussiertes Sehen) fordert er 30 Minuten Ausgleich (Blicken in die Weite), um unsere Sehfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten.

Ich befürchte, dass das für viele Menschen im Arbeitsalltag gar nicht machbar ist. Dennoch versuche ich – gerade, wenn das Wetter es zulässt – draußen zu arbeiten. Ich habe Bewegung, das Sonnenlicht (auch bei bedecktem Himmel) tut meinen Augen gut – ich kann immer wieder in die Weite blicken und den Blick bis zum Horizont wandern lassen und genieße die frische Luft.
Hier geht es zum Artikel in der Federwelt, in dem sich konkrete Anregungen für das Führen eines Naturtagebuchs finden. Auch habe ich am Bodensee eine kleine Schreibgruppe, die sich intensiv mit Nature Writing befasst. Bei Interesse gerne melden.

 

Buchempfehlungen im Frühling

Frühlingsanfang. Die Natur steht in den Startlöchern, Schneeglöckchen sind schon lange wieder verblüht, die Weiden zeigen ihr erstes zartes Grün und wer einen Gemüsegarten hat, setzt bereits Zwiebeln

… und wer Lust aufs Lesen hat, hier ein paar Anregungen:

Für die Blumenfreundinnen

Mein Frühlingsgarten von Vita Sackville-West. Insel Taschenbuch (2019)

Für die Poetinnen

Frühling von Hermann Hesse. Insel taschenbuch. (2010)

Für die Gartenfreundinnen

Gartengeschichten von Eva Demski. Insel Verlag (2013)

Für die Gemüsegärtnerinnen
Selbstversorgung aus dem eigenen Anbau von Maren Bustorf-Hirsch. Bassermann (2021)

Wie schreibt man über Natur?

Das Buch von Jürgen Goldstein „Naturerscheinungen. Die Sprachlandschaften des Nature Writing“ gibt einen hervorragenden Überblick über unterschiedliche Autorinnen und Autoren des Nature Writing: David Henry Thoreau, Annie Dillard, John Muir, Nan Shepherd, Robert Macfarlane, um nur einige zu nennen. Sie alle haben nicht nur sehr präzise über Natur geschrieben, sondern auch ihre eigene Erfahrungswelt versucht in Worte zu fassen.

Goldstein geht der sehr wesentlichen Frage nach, inwieweit wir überhaupt eine Sprache haben, um über Natur zu reden oder zu schreiben und schildert „die Disziplinierung der Sprache“ (49). Während sich seit der Moderne in den Naturwissenschaften eine rein sachliche und analytische Sprache durchgesetzt hat und man versuchte, das persönliche Wahrnehmen komplett auszuschließen, verteidigt das Nature Writing „die persönlich leibgebundenen Erfahrungen gegenüber [dieser] Entwertung“ (102). Im Nature Writing dient das Schreiben über die Natur „einer Einweisung in das eigene Erleben“ (26) und schult somit die Aufmerksamkeit gegenüber der Natur aber auch gegenüber den eigenen inneren Prozessen.

Wie anders könnten wir heute in einer Zeit von Klimakrise, immer noch andauernder Ausbeutung der Rohstoffe sowie Missachtung von Ökosystemen wieder einen achtsamen Zugang finden, wenn nicht über die Verbindung von Naturkunde und tiefem persönlichen Interesse (105), das letztlich versucht, Worte zu finden, um genau diese tiefe Beziehung wieder zu spürenn und zum Ausdruck zu bringen.

„Nature Writing setzt auf die Einsicht, dass die Sprache unser Denken formt und somit die Wirklichkeit, in der wir leben. Es unternimmt den Versuch, einen sensiblen Zugang zur entgleitenden Natur zu bewahren. Damit steht es tief in der spannungsvollen Tradition unserer Kultur- und Sprachgeschichte.“ (27)

 

Absolut lesenswert: Jürgen Goldstein (2019): Naturerscheinungen. Die Sprachlandschaften des Nature Writing. Berlin: Matthes & Seitz.

Eine reiche Fülle von wunderbaren Werken bietet der Verlag Matthes & Seitz

„Geflochtenes Süßgras“ und der eigene Schreibtisch

Seit langem hat mich kein Buch so sehr fasziniert wie Geflochtenes Süßgras von Robin Wall Kimmerer:
500.000-mal verkauft, in 9 Sprachen übersetzt, auf der Bestseller-Liste der New York Times. Das klingt nach Erfolg, doch für mich zählt etwas Anderes.

Robin Wall Kimmerer ist Professorin für Umweltbiologie an der State University of New York und auch Mitglied der Citizen Potawatomi Nation, hat über ihre naturwissenschaftliche  Ausbildung hinaus indigene Wurzeln. Während ich fasziniert bin von ihrem exakten botanischen Wissen, spricht mich die indigene Haltung an, aus der heraus sie dieses Buch geschrieben hat.

In Zeiten von Klimakrise machen sich viele Menschen Gedanken, wie es weitergeht und weitergehen kann. Es gibt viele technische Erfindungen, die möglich wären, um CO2 zu binden, zu verringern, Müll aus den Meeren zu fischen, erneuerbare Energie auszubauen. Doch all dem fehlt diese ganz besondere Haltung, die ich in Kimmerers Buch finde:

Da ist die Thanksgiving Address – die traditionelle Danksagung der Onondaga. Mit ihr wird eine Kultur der Dankbarkeit gepflegt und es sind die „Worte, die vor allem anderen kommen“. So beginnen zum Beispiel Schülerinnen und Schüler jede Schulwoche mit dieser umfassenden Danksagung; sie wird auch zu Beginn von Tagungen oder Familienfeiern gesprochen. Hier ein Auszug:

„Wir sind überall umgeben von Bäumen. Die Erde hat viele Baumfamilien, jede mit ihrer eigenen Lehre und ihrem Nutzen. Die einen geben Schutz und Schatten, die anderen Frucht und Schönheit und viele nützliche Gaben. Der Erste unter den Bäumen ist der Ahorn, denn er gibt uns Zucker, wenn die Menschen ihn am meisten brauchen. Viele Völker der Erde erkennen in einem Baum ein Symbol für Frieden und Kraft. Einmütig entrichten wir dem Baumleben Gruß und Dank. Unsere Gedanken, unsere Herzen sind nun vereint.“ (S. 131)

Dann gibt es das Prinzip der „Ehrenwerten Ernte“: „Nimm nur, was du brauchst. Nimm nie mehr als die Hälfte. Ernte so, dass du möglichst wenig Schaden anrichtest. Nutze es respektvoll. Verschwende nie, was du genommen hast. Teile. Danke für das, was dir geschenkt wurde. Erhalte die, die dich erhalten, und die Ernte wird für immer bleiben.“ (S. 214)

Was wäre, wenn wir mit dieser Haltung auf unseren Alltag, unseren Konsum, unser Leben schauten? Kimmerer unternimmt einen Selbstversuch und versucht mit dieser Haltung der „Ehrenwerten Ernte“ in einer Shopping Mall ihre Schreibwaren einzukaufen. „Ich versuche hinter diesen Stapeln Papier die Bäume zu spüren.“ (S. 232) Das ist nicht leicht, wie sie selbst feststellt.
Ich schaue mich in meinem eigenen Arbeitsplatz um: Die Schreibtischplatte einst eine Buche. Die Rollcontainer einst eine Kiefer. Die Bleistifte, einst Bäume, unbekannte Art. Der Korkuntersetzer für meine Kaffeetasse – Korkeiche. Das Papier, die Bücher – meist aus Bäumen produziert – manches zum Glück aus Recyclingmaterial.

Ich lese Nachrichten: Jede Minute geht auf der Welt eine Waldfläche in der Größe von 27 Fußballfeldern verloren. Auf der Klimakonferenz haben sich nun mehr als 100 Länder dazu verpflichtet, die Entwaldung bis zum Jahr 2030 zu stoppen.

Ich beginne zu rechnen 60 Minuten x 24 Stunden x 365 Tage x 7 Jahre x 27 Fußballfelder … es könnten also bis 2030 noch bis zu 128 Millionen weitere fußballfeldgroße Waldstücke abgeholzt werden!!! Und was ist mit den 93 weiteren Staaten der UN? Holzen diese weiter ab? Gibt es überhaupt noch irgendwann Wald? Und wenn ja, wie gesund ist er? Natürlich gibt es auch viele Baumpflanzaktionen, doch ein Baum braucht Jahre bis er groß.

Wieder fällt mir die Ehrenwerte Ernte ein: „Nimm nur, was du brauchst. Nimm nie mehr als die Hälfte. Ernte so, dass du möglichst wenig Schaden anrichtest. Nutze es respektvoll. Verschwende nie, was du genommen hast. Teile. Danke für das, was dir geschenkt wurde. Erhalte die, die dich erhalten, und die Ernte wird für immer bleiben.“ (S. 214)

Ich bin dankbar für den Baum, der mir meinen Schreibtisch ermöglicht hat, für die Stifte und das Papier; all das gehört für mich zum täglichen Arbeiten. Ich bin dankbar für die Ablage aus Holz, die mir meine Mutter vor vielen Jahren geschenkt hat. Es gibt sie noch immer, während jene aus Kunststoff schon längst wieder im Müll gelandet sind.

Schreibimpuls:

  • Schau dich um? Wofür bist du heute dankbar? Was möchtest du mehr achten, bewusster wahrnehmen? Schreibe es auf!
  • Lies das Zitat über die Ehrenwerte Ernte. Schreibe 15 Minuten frei – lass alle Gedanken auf das Papier oder in die Tastatur laufen, die dir bezüglich dieser Sätze in den Sinn kommen. Lies anschließend, was du geschrieben hast. Woran könntest du etwas ändern?

Leseimpuls:

Robin Wall Kimmerer: Geflochtenes Süßgras. Erschienen im aufbau-Verlag.

Schreibend sich mit der Natur verbinden

Schon oft habe ich mich gefragt, woher Tiere und vor allem Pflanzen ihre Namen haben. Die Wühlmaus wühlt, doch der Zitronenfalter faltet keine Zitronen. Die Brennnessel brennt, doch der Gemeine Froschbiss beißt keinen Frosch.

Ich habe gesucht und einige Kategorien gefunden: Manche Pflanzen haben ihren Namen aufgrund ihrer Form – so wie der Fingerhut, der Storchenschnabel oder der Aufrechte Igelkolben. Andere aufgrund ihres Lebensraumes, wie die Brunnenkresse, die Sumpfkratzdistel oder das Alpenveilchen. Die meisten haben ihren Namen wohl wegen ihrer Eigenschaften, wie das Springkraut und die Filzige Klette.

Manche Pflanzennamen verweisen auf eine (frühere) Verwendung, wie die Bauernschminke, die zum Schminken oder das Seifenkraut, das zum Herstellen von Seife verwendet wurde. Andere verweisen auf ihre Blütezeit: Das Schneeglöckchen, die Herbstzeitlose, der Winterling. Carl von Linné hat mit seinem Werk Species Plantarum von 1753 Ordnung in die Pflanzenwelt gebracht. Auf 1200 Seiten beschrieb er an die 7300 Arten derjenigen Pflanzen, die ihm damals bekannt waren und sortierte sie in seine bis heute weltweit gültige Nomenklatur.

Tina Welling bietet in ihrem Buch Wild Writing einen Weg, sich schreibend wieder mit der Natur zu verbinden. Der erste Schritt ist das sogenannte Naming – die Dinge in der Natur zu benennen, im Sinne einer ersten Kontaktaufnahme. Aber der Name, aus welcher Sprache auch immer, erfasst letztlich nicht alles. Noch heute sehe ich das kleine Mädchen mit einer Blume in der Hand freudestrahlend auf seine Mutter zulaufen. „Schau mal!“ Die Mutter wirft einen Blick auf das kleine Pflänzchen und sagt: „Ach, das ist doch nur ein Gänseblümchen!“

„Schade!“, denke ich. Was könnte man alles mit diesem Gänseblümchen machen! Sich mit den zarten Blüten das Gesicht streicheln, ein Kränzchen für die Haare flechten, aber auch den Kartoffelsalat damit dekorieren, denn Gänseblümchen sind essbar. Man könnte Blütenblätter zählen, daran riechen oder es einfach stehen lassen, damit es weiterwachsen kann.

Bei Tina Welling ist das der zweite Schritt, das sogenannte Detailing, sprich die Sinne öffnen, hinschauen, lauschen, riechen, schmecken, tasten. Wobei sie deutlich darauf hinweist, dass man nicht alles in den Mund schieben möge, sondern nur das probieren solle, was man auch als ungiftig einordnen kann.

Um sich mit der Natur und all ihren Erscheinungen zu verbinden, ist es durchaus hilfreich, genauer hinzuschauen. Das Gänseblümchen klein, zart und lieblich – blüht von März bis November ununterbrochen. Selbst wenn der Rasenmäher da war, dann blüht es kurz darauf schon wieder. Es scheint viel Ausdauer und Kraft in ihm zu stecken.

Interessant wird es, wenn wir den dritten Schritt in dieser Naturerkundung gehen – das sogenannten Interacting: tiefer eintauchen in die Wahrnehmung – Gedanken und Gefühle oder auch Erinnerungen, die auftauchen, notieren. Man  kann sich fragen, was dieses Gänseblümchen für einen selbst bedeutet, welche Assoziationen ich mit ihm verknüpfen.

Ich bleibe an dieser besonderen Kombination hängen: klein-zart UND kraftvoll-ausdauernd. Mir fallen weitere interessante Kombinationen ein: Bambus ist extrem hart und dennoch biegsam und flexibel. Der Zitronenfalter, ebenfalls sehr zart, kann Temperaturen bis minus 20 Grad überstehen und ist im Frühjahr unter den ersten, die aus dem Laub kriechen.

Ich frage mich, ob auch wir Menschen solche sinnvollen Gegensätze kombinieren oder gar kultivieren könnten? Könnten wir kämpferisch UND friedlich sein, so wie Mahatma Gandhi? Könnten wir, so wie Gustave Flaubert es fordert, im täglichen Leben ordentlich-gleichförmig sein, in unserer Arbeit aber wild-originell?

Georgia O’Keeffe, eine der bekanntesten US-amerikanischen Malerinnen des 20. Jahrhunderts, hat immer wieder betont, dass Organisiertsein der Schlüssel zu produktiv-kreativem Arbeiten ist. Wie oft höre ich von Menschen, sie hätten keine Zeit zum Malen, zum Schreiben, zum Musizieren. Natürlich hängt das auch von der jeweiligen Lebenssituation ab. Mit drei kleinen Kindern zuhause ist das sicherlich nicht einfach. Auch mit einem intensiven Vollzeitjob bleibt wenig Zeit und Energie für kreatives Schaffen. Auf der anderen Seite verlieren sich viele Menschen in den sogenannten Social Media oder verbringen unnötigerweise Zeit mit dem Suchen wichtiger Unterlagen; angeblich summiert sich das Suchen von Dingen auf ein halbes Jahr unserer Lebenszeit.

Je besser ich also Alltag, Beruf und Haushalt organisiere, desto mehr Freiraum habe ich für kreatives Arbeiten. Gute Ideen dafür habe ich über meine Auseinandersetzung mit dem Thema Minimalismus gefunden. Hilfreich war auch, im Kalender einfach Zeiten zu blocken für kreatives Arbeiten. So habe ich im wahrsten Sinne der Wortes Frei-Raum für mein Treffen mit der Muse geschaffen.

Mein Dank gilt dem Gänseblümchen!

 

 

Sich schreiben mit der Natur verbinden. Zum Weiterlesen:

Tina Welling (2014): Writing Wild. Forming a Creative Partnership with Nature. Novato, California: New World Library.

 

  

 

In der Klimakrise schreiben und Bücher veröffentlichen – Writers4Future

Aufgrund meiner ehrenamtlichen Arbeit bin ich mitten drin im Thema Klimakrise: Aktiv eigebunden in die Solidarischen Landwirtschaft habe ich das Wetter während der letzten Jahre intensiver wahrgenommen. Die extreme Nässe 2017, die ein Viertel der Ackerfläche in einen See verwandelte, dann die extreme Trockenheit 2018, die es mühsam machte, die kleinen Jungpflanzen zu retten. Nun haben wir den kältesten April seit Jahren und merken, wie langsam das Gemüse wächst. Alle im Verein nehmen weitaus bewusster wahr, wie abhängig wir vom Klima sind. Wird es noch extremer, wächst auch in anderen Ländern nicht mehr das, was uns im Supermarkt scheinbar so zuverlässig angeboten wird.

Im letzten Blogbeitrag habe ich die Writers4Future erwähnt. Hier nun der Infotext, für alle, die Interesse haben oder sogar mitarbeiten möchten:

Vom Schreibtisch aus die Welt retten? Geht – mit Writers for Future!

Writers for Future ist eine Initiative, die sich für mehr Klimaschutz in der Buchbranche einsetzt. Sie wurde vor rund zwei Jahren vom Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) gegründet und ist für alle Buchmenschen offen. Also für alle, die schreiben, redigieren, übersetzen, in Verlag oder Buchhandel arbeiten.

Höchste Zeit, dass auch die Buchbranche aktiv wird: 2020 war das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, der Anstieg der Emissionen hat durch Corona allenfalls eine leichte Delle bekommen. Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels sind weltweit und inzwischen auch in Deutschland spürbar.

Die Buchbranche ist vergleichsweise emissionsreich, wenn man allein an die Herstellung von Papier und die Auslieferung denkt. Zwar gibt es schon Ansätze für klimaschonende Produktion und Verkauf, aber es ist noch viel Luft nach oben. Und das Medium Buch birgt großes Potenzial, um Wandel anzustoßen: Die Klimakrise angemessen für die Öffentlichkeit zu erklären und zu beschreiben ist genauso wichtig wie der Protest auf der Straße gegen unzureichende Klimaschutzmaßnahmen.

Wir möchten bei Menschen, die Bücher lieben, mehr Bewusstsein für den Schutz der Ökosysteme erzeugen: mit unseren Büchern, mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und via Social Media, aktuell mit einer Fotostatement-Aktion bekannter Autor:innen und anderer Menschen aus der Buchbranche.

Wir sind überzeugt, dass die ökosoziale Transformation nicht nur neue Technologien, sondern auch ein anderes Bewusstsein erfordert: eines, das nicht dem Leitbild folgt, dass alles jederzeit verfügbar und stetes Wachstum möglich ist. Eine zentrale Überlegung von Writers for Future ist, wie wir diesen Wandel mit Texten und Visionen begleiten können.

Wir machen uns für den Klimaschutz in der Buchbranche stark: In diesem Jahr wollen wir mit verschiedenen Aktionen erreichen, dass sich mehr Verlage zum Klimaschutz und zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen bekennen. Und wir unterstützen die Fridays for Future mit ehrenamtlichen Leistungen – meist Redaktion, Workshops und Texte.

Mitmachen? Mehr Info unter:

Anne Weiss und Sven j. Olsson
info@writers4future.de
Homepage: https://writers4future.de/
Facebook: https://www.facebook.com/Writers-for-Future-321020938612631
Twitter: https://twitter.com/Writers4F
Instagram: https://www.instagram.com/writers4future/?hl=de

Schreiben in Zeiten von Klimawandel – Writers4Future

Wozu überhaupt noch schreiben? Ein paar Gedanken …

Seit Woche nervt sie mich, diese innere Stimme, die mir zuruft: “Schreib doch endlich was!” Doch in mir sträubt sich alles. Welchen Sinn hat es, noch mehr Papier zu füllen mit Buchstaben, Worten, Sätzen und endlosen Gedanken? Sollten wir uns nicht viel mehr um das Artensterben kümmern, endlich machbare Alternativen zum Automobil entwickeln, uns um die Bewältigung der Klimakrise kümmern?

Herbst 2019. Es ist Sonntagmittag. Ich sitze auf der Terrasse bei Freunden, die Sonne ist mild und gnädig, der Wind hat sich gelegt. Ich genieße die Aussicht auf den Bregenzerwald, auf all die herrlichen Berge und den wunderbar lichtblauen Herbsthimmel. Vor uns stehen Teller mit frisch gesammelten und in Butter gebratenen Pilzen – Idylle pur. Wozu also Gedanken an die Klimakrise verschwenden? Einfach genießen. Fertig.

Doch der Hausherr erzählt vom letzten Winter, wie er mit seinen fast 70 Jahren auf den Hausgiebel geklettert ist, um diesen mühsam vom knapp zwei Meter hohen Schnee zu befreien. Angst hatte er, dass das ganze Haus einstürzt. Und nun? Nun hat es sich verzogen, ist nicht mehr stabil. Ein Architekt muss her, ein Zimmermann, um das Haus zu retten. Schreiben hilft auch hier nicht weiter.

Abends im Bett lese ich Mary Robinsons Buch “Climate Justice”, Klimagerechtigkeit. Lese von den Menschen, die sie kennengelernt hat: von Jannie Staffansson, deren Tante als nomadische Rentierhirtin im zu dünn gewordenen Eis eingebrochen und für immer verschwunden ist. Ich lese von Anote Tong, der für sein Volk bereits Land im Süden Indiens gekauft hat, weil sein gesamtes Reich am Untergehen ist. Ich lese von Ken Smith, der in den Kohleminen im Norden Kanadas 35 Jahre geschuftet hat und dann von heute auf morgen mit seinen 3000 Kumpeln auf der Straße stand und nun von der Sozialhilfe leben muss.

Mary Robinson hat all diese Geschichten aufgeschrieben und vor die Vereinten Nationen getragen. Das war mühsam, denn zunächst wollte niemand diese Geschichten hören. Doch als ehemalige Präsidentin von Irland und UN-Hochkommissarin für Menschenrechte hat sie sie sich durchgesetzt. Vielleicht macht Schreiben ja doch Sinn in Zeiten von Klimawandel. Vielleicht, weil wir diesem Wandel mit unseren Geschichten ein menschliches Gesicht geben können.

Writers4Future

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) setzt sich für dieses Thema ein und hat Writers4Future ins Leben gerufen. Er ruft zu Solidarität mit den Protestierenden von Fridays4Future auf.

 Mehr über das Thema Schreiben & Klimawandel im nächsten Blogbeitrag!

Das Innere Team coachen lernen

Haben auch Sie einen Inneren Faulenzer, der bei grauem Novemberwetter morgens lieber im Bett bleiben möchte oder eher eine Innere Perfektionisten, die nie wirklich zufrieden mit Ihrer Arbeit ist? Oder haben Sie einen Inneren Kritiker, der Ihnen Ihre Ideen, noch bevor Sie sie in Ruhe anschauen konnten, schon madig macht? Rainer Maria Rilke schreibt in „Briefe an einen jungen Schriftsteller:

„Und Ihr Zweifel kann eine gute Eigenschaft werden, wenn sie ihn erziehen. Er muss wissend werden, er muss Kritik werden. Fragen Sie ihn, sooft er Ihnen etwas verderben will, weshalb etwas hässlich ist, verlangen Sie Beweise von ihm, prüfen Sie ihn, und Sie werden ihn ratlos und verlegen, vielleicht aufbegehrend finden. Aber geben Sie nicht nach, fordern Sie Argumente und handeln Sie so, aufmerksam und konsequent, jedes einzelne Mal, und der Tag wird kommen, da er aus einem Zerstörer einer Ihrer besten Arbeiter werden wird, – vielleicht der klügste von allen, die an Ihrem Leben bauen.“

Kennen Sie Ihren Inneren Zweifel? Und wenn ja, wie ihn erziehen, damit er Ihnen hilfreich sein kann? Arbeitet Ihr Inneres Team optimal zusammen oder besteht es eher aus Einzelkämpfern, die sich gegenseitig sabotieren?

Schreibimpuls:

Schreibimpuls bietet eine einstündige Online-Sitzung, während der Sie das Innere Team coachen lernen: sich bewusst machen, wie es arbeitet, Chefin werden und Ideen entwickeln, wie Sie dieses Team zu effizienterer Zusammenarbeit bewegen können.

 

Ein telefonisches Erstgespräch ist immer kostenfrei.

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