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Auf der Suche nach den verlorenen Äpfel

Frühling
Zwischen endlosen Apfelplantagen radle ich im Hinterland des Bodensees auf einer kleinen Asphaltstraße Richtung Esseratsweiler, um eine Freundin zu besuchen. Apfelbäume, sogenannte Niedrigstämme, stehen zu beiden Seiten der Straße in Reih und Glied wie gehorsame Soldaten, die nur dazu da sind, Äpfel zu produzieren.
Es geht steil bergauf, und ich bin außer Atem. Was ich hinter der nächsten Kurve sehe, lässt mich sofort vom Rad springen. Ein Bauer sprüht gerade Pestizide in seiner Plantage. DAS will ich nicht einatmen und so warte ich mit der Weiterfahrt, bis sich mein Atem beruhigt hat.
„Ich mag keine Äpfel,“ schießt es mir durch den Kopf. Während ich weiterradle, erinnere ich mich an meine Mutter. Ihre Eltern hatten einen Bauernhof mit einem schönen Obstgarten. Doch durch die Folgen des Zweiten Weltkriegs waren meine Großeltern, meine Mutter, die damals 15 Jahre alt war, und ihr kleiner Bruder gezwungen, ihren Hof, ihre Tiere und ihren geliebten Obstgarten zu verlassen. Ich hörte meine Mutter von frühester Kindheit an bis ich sie auf ihrem Sterbebett begleitete, den Verlust dieser Apfelbäume beklagen. Sie hatte als Kind jeden Tag einen Apfel mit in die Schule genommen und bis in ihrer 90er Jahre gesunde Zähne.
Meine Eltern hatten zwar in ihrer neuen Heimatstadt einen Gemüsegarten angelegt, doch keine eigenen Apfelbäume mehr. So war meine Mutter gezwungen, Äpfel im Supermarkt zu kaufen, denn sie wollte, dass auch wir Kinder Äpfel essen. Oftmals hörte ich sie jedoch sagen:
„Was haben sie nur mit den Äpfeln gemacht? Sie schmecken nicht!“
„Hallo, Karin!“, meine Freundin steht in der Haustür und reißt mich aus meinen Gedanken. Bei einem frisch gebrühten Kaffee erzähle ich ihr, was gerade passiert ist.
Sie weiß, wovon ich spreche. Jeder hier weiß es.
Während sie einen Keks aus der Schale nimmt, gibt sie zu Bedenken: „Weißt du, die Bauern hier müssen mit billigen Äpfeln aus Südafrika oder sogar Südamerika konkurrieren. Daher spritzen die meisten der über 1000 landwirtschaftliche Betriebe eben intensiv. Ich habe gerade den Pestizidbericht des NABU gelesen; es können bis zu 30 Spritzungen im Jahr sein.“
„Ja“, nicke ich, „aber es muss doch eine Lösung geben, zumindest für mich!“
„Äpfel müssen sauber und perfekt sein. Das ist es, was die Leute mögen – du bist eine Ausnahme.“
Ich seufze.
„Warum gehst du nicht zur Frucht Welt? Das ist hier am See die Internationale Fachmesse für Obstbau, Destillation und Agrartechnik. Vielleicht findest du da…“
„…ich war im Februar dort“, unterbreche ich ihren Vorschlag, „aber ich habe nur große Maschinen zum Beschneiden und Pflücken gesehen, riesige Geräte zum Destillieren. An jedem Stand boten die Verkäufer Teller und Körbe voller Äpfel an. Aber die sahen aus, als kämen sie gerade aus einem 3D-Drucker: kein einziger Fleck, einheitlich rot oder grün, überzogen mit einer schicken Lackschicht. Alles nur Fassade! Nichts zum Reinbeißen
„Ich mag keine Äpfel!“, denke ich erneut.

Sommer
Es ist die Ferienzeit. Für ein paar Wochen fahre ich in die Bretagne. Ein Freund bietet mir Apfelwein an, doch ich bin skeptisch. Aufgewachsen in einer Stadt, die für ihren Apfelwein berühmt ist, habe ich ihn einmal und nie wieder probiert, denn für mich schmeckte er wie wässriger Apfelsaft mit einem Hauch von Spülmittel. Aber nun will ich die Gastfreundschaft meines Freundes nicht ablehnen. Zögernd nehme ich einen Schluck.
„Wow, das schmeckt ja toll!“ Sofort bin ich überzeugt. Seitdem gibt es für mich an einem heißen Sommertag nichts Besseres als ein Glas kühlen Cidre und die Suche nach den gut schmeckenden Äpfeln geht weiter.

Herbst
Zufällig treffe ich einen Bekannten. Er ist Arzt befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema Allergien. Ich erzähle ihm von meiner, wie ich es nenne, psychologischen Allergie gegen Äpfel.
Er lacht. „Weißt du was? Allergien gegen Äpfel sind auf dem Vormarsch.“
„Kein Wunder. Sie sprühen sie das ganze Jahr über. Ich habe gehört, bis zu dreißig Mal.“
„Ja“, bestätigte er, “aber das liegt nicht nur an den Herbiziden und Pestiziden. Manche Leute sind auch allergisch auf Bio-Äpfel.“
„Das klingt seltsam, oder?“
„Nein, ganz und gar nicht. Die neueren Sorten wie Golden Delicious oder Granny Smith haben ein größeres Potenzial, Allergien auszulösen als die alten Sorten. Aber genau dieses allergische Potenzial scheint eine größere Resistenz gegen Schädlinge zu bieten.“
Mein fragender Blick veranlasst ihn, fortzufahren.
„Äpfel enthalten natürliche Phenole, die mehr Farbe und Geschmack, aber auch mehr Säure produzieren. Um den Säuregehalt zu reduzieren, wie es der Markt verlangt, haben sie auch die natürlichen Phenole reduziert, was zu einem Mangel an Geschmack und einer besseren Resistenz gegen Schädlinge führt.“
Ich seufze.
„Was dich vielleicht interessiert: Je länger man einen Apfel lagert, desto mehr nimmt der Phenolgehalt zu. Deshalb sind diese Äpfel für besser verdaulich.“
„Klingt wirklich interessant, aber wo kann ich diese alten Sorten finden? Alle Bauern hier in der Gegend bauen diese neuen Sorten an, nur für den Markt und ihren Erfolg.“
Er erzählt mir von Anne, seiner Frau, die eine Streuobstwiese mit alten Sorten hat und dass sie gerne jemanden hätte, der sie unterstützt, da sie die Arbeit alleine nicht schafft. Also verabrede ich mich mit ihr und freue mich darauf, sie auf dieser besonderen Wiese zu treffen.
Wieder einmal nehme ich mein Fahrrad und fahre hinaus aus der Stadt hinaus. Maisfelder zu meiner Rechten, industrielle Apfelplantagen zu meiner Linken. Schließlich komme ich durch einen Wald; die Luft ist frisch und riecht intensiv nach Fichten. Als sich der Wald lichtet, erreiche ich die Streuobstwiese. Ich fahre durch das alte Tor und da stehen sie: 30 Apfel- und Birnbäume – alte Sorten, ungespritzt, natürlich gewachsene Hochstämme. Anne ist auch schon da. Ein Milan kreist über uns, und in einer der Baumkronen entdecke ich einen Turmfalken.
„Nimm dir einfach einen und probiere!“, fordert mich Anne auf.
Ich schaue mich um, pflücke einen knallroten, poliere ihn ein wenig an meiner Jeans – so habe ich das als Kind gerne gemacht – und beiße hinein.
„Wow, das ist der Geschmack, den ich gesucht habe: frisch, saftig, knackig, nicht mehlig …
Während Anne einen Korb holt, um Äpfel für einen Apfelkuchen zu pflücken, zählt sie Namen auf: Cox Orange, Schweizer Glockenapfel, Kaiser Wilhelm, Gräfin von Paris, Conference…
„Ich glaube nicht, dass ich sie alle auf einmal probieren kann!“
„Na, dann füll doch einfach deinen Rucksack. Du kannst so viel mitnehmen, wie du willst. Für mich sind das viel zu viele …
… übrigens, wenn du dich so sehr für Äpfel interessierst, solltest du nächstes Wochenende das Apfelfest besuchen. Da gibt es viele Experten und alte Sorten.“
„Apfelfest? Noch nie davon gehört. Klingt gut.“
Ich notiere die genauen Informationen und radle vier Tage später zur Weilermühle: Kinder springen herum, Männer tragen schwere Körbe mit Äpfeln, Frauen sind mit Kuchen und Kaffeekannen beladen. Ich schaue mich um: Eine riesige, von Hecken umgebene Wiese, Dutzende von Apfel- und Birnbäumen. Im Hintergrund ein Tipi, ein Lagerfeuer, ein Grill. Unter einem großen Dach pressen Jugendliche mit Handpressen eifrig Äpfel, der frische Saft läuft… Kleinkinder mit saftigen Gesichtern und klebrigen Fingern toben herum. Hinter einem langen Tisch finde ich die Experten mit großen, schweren Büchern, die helfen, alte Sorten zu bestimmen. Einige Leute bringen Äpfel aus ihren eigenen Gärten mit und bitten um Unterstützung.
Ich blättere in den Büchern – künstlerische Zeichnungen und Aquarelle, lateinische Namen, Informationen über Anbau, Lagerung und Geschmack. Es gibt so viele Sorten und Namen, die ich noch nie gehört habe. Fast wird mir schwindelig. Daher nehme ich mir EIN Buch „Von der Kunst die Früchte zu zähmen. Eine Kulturgeschichte des Obstanbaus“ von Bernd Brunner – und einen Kaffee. Beim Blättern bleibe ich an einer Stelle hängen:

„Mit keiner anderen Person ist die Verbreitung des Apfels in Amerika so eng verbunden wie mit John Chapman (1774-1847) aus Longmeadow in Massachusetts. Im Jahr 1797, im Alter von 23 Jahren, soll er sich mit ein paar Apfelkernen in seinem Rucksack auf den Weg gemacht haben. Die Legende besagt, dass „Johnny Appleseed“, der immer barfuß ging, nur mit einem Kaffeesack bekleidet war und in hohlen Bäumen schlief, immer weiter nach Westen vordrang, sogar über die Siedlungsgrenze, die Frontier, hinaus, wo er mit den Samen Baumschulen anlegte und zwei- bis dreijährige Bäume an die Siedler verkaufte, bevor er weiterzog.

Während ich lese, greifen ein paar klebrige Finger nach meiner Hand. Es ist Kaiva, Annes Enkelin.
„Bitte komm mit mir!“ Sie zerrt an mir.
Anne taucht hinter ihr auf und erklärt: „Im Tipi gibt es eine Erzählerin, vielleicht wollt ihr beiden die Geschichte von Johnny Appleseed hören?“
„Ja, warum nicht? Das passt gerade gut.“
Wir gehen hinüber und betreten das Tipi. Eine alte Frau steht im schummrigen Licht, umgeben von Kindern und Erwachsenen. Wir kommen zur rechten Zeit. Kaiva sitzt auf meinem Schoß, jeder von uns hat einen Apfel in der Hand, und wir lauschen der Geschichte von Johnny Appleseed.
Schade, denke ich, es wäre schön, wenn meine Mutter hätte dabei sein können.
Ich mag Äpfel!

 

 

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Wiesen-Auszeit auf der Streuobstwiese

Neugierig war ich auf diese Wiesen-Auszeit. Ob sie mir guttun würde?
Bei heißen Temperaturen trafen wir uns unter dem Schatten eines alten Apfelbaums. Dennoch konnten wir die Weite des Himmels und den Ausblick bis zu den Schweizer Bergen genießen. Zur Begrüßung gab es eine kurze Lesung über ein Thema, das wir alle kennen: Wie finde ich Balance und Sinn im Leben zwischen all den To-Do-Listen und Anforderungen?

Um uns in der Gruppe vorzustellen, zogen wir eine Karte aus dem Spiel Findebär. Meine Aufgabe lautete: Finde etwas Raschelndes, ohne etwas abzureißen. Ich ging barfuß. Das Gras kitzelte meine Fußsohlen. Nach einer Weile entdeckte ich zwei kleine, dürre und braune Blätter. Die nahm ich mit zu unserem gemeinsamen Sitzplatz und erzählte ein wenig über mich: Ich liebe dieses leise Rascheln der Blätter, bin ich doch – das ist mir schon länger klar – lärmempfindlich. Es sind die leisen Töne, die mir gefallen, das Gezwitscher der Vögel, das Rauschen der Blätter im Wind, das Summen der Bienen… Andere hatten die Aufgabe, etwas Raues zu finden, etwas Glattes oder etwas Leichtes.

Nach der Vorstellungsrunde sammelten wir mit einem „Kreativen Streifzug“ Antworten auf eine Frage, die uns gerade beschäftigte, hörten ein inspirierendes Gedicht und mobilisierten unsere Wirbelsäule mit einer Bewegungsübung. Das tat gut. Arbeite ich doch überwiegend sitzend. Zwischendurch ließen wir uns Kaffee und Kuchen schmecken. Wir lauschten meditativ den vielen Geräuschen um uns, während die Ameisen sich auf die Kuchenkrümel stürzten und über uns ein paar Milane kreisten.

Ich merkte, wie ich im Laufe des Nachmittags zur Ruhe kam, wie mir das Barfußlaufen guttat; eine Sehnsucht tauchte auf nach mehr: mehr frische Luft, weniger Büroräume, mehr Weite, weniger Enge, mehr Ruhe, weniger To-Do-Liste, mehr Mutter Erde unter den Füßen, weniger Asphalt …

Schon jetzt freue ich mich auf die nächste Wiesen-Auszeit im Herbst, im Winter, im Frühjahr – wie sich die Wiese wohl verändert haben wird – und auch ich? Werde ich meine kleinen Vorsätze, die ich formuliert hatte, auch umsetzen?

(L.M., eine Teilnehmerin)

 

 

 

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Schreibend sich mit der Natur verbinden

Schon oft habe ich mich gefragt, woher Tiere und vor allem Pflanzen ihre Namen haben. Die Wühlmaus wühlt, doch der Zitronenfalter faltet keine Zitronen. Die Brennnessel brennt, doch der Gemeine Froschbiss beißt keinen Frosch.

Ich habe gesucht und einige Kategorien gefunden: Manche Pflanzen haben ihren Namen aufgrund ihrer Form – so wie der Fingerhut, der Storchenschnabel oder der Aufrechte Igelkolben. Andere aufgrund ihres Lebensraumes, wie die Brunnenkresse, die Sumpfkratzdistel oder das Alpenveilchen. Die meisten haben ihren Namen wohl wegen ihrer Eigenschaften, wie das Springkraut und die Filzige Klette.

Manche Pflanzennamen verweisen auf eine (frühere) Verwendung, wie die Bauernschminke, die zum Schminken oder das Seifenkraut, das zum Herstellen von Seife verwendet wurde. Andere verweisen auf ihre Blütezeit: Das Schneeglöckchen, die Herbstzeitlose, der Winterling. Carl von Linné hat mit seinem Werk Species Plantarum von 1753 Ordnung in die Pflanzenwelt gebracht. Auf 1200 Seiten beschrieb er an die 7300 Arten derjenigen Pflanzen, die ihm damals bekannt waren und sortierte sie in seine bis heute weltweit gültige Nomenklatur.

Tina Welling bietet in ihrem Buch Wild Writing einen Weg, sich schreibend wieder mit der Natur zu verbinden. Der erste Schritt ist das sogenannte Naming – die Dinge in der Natur zu benennen, im Sinne einer ersten Kontaktaufnahme. Aber der Name, aus welcher Sprache auch immer, erfasst letztlich nicht alles. Noch heute sehe ich das kleine Mädchen mit einer Blume in der Hand freudestrahlend auf seine Mutter zulaufen. „Schau mal!“ Die Mutter wirft einen Blick auf das kleine Pflänzchen und sagt: „Ach, das ist doch nur ein Gänseblümchen!“

„Schade!“, denke ich. Was könnte man alles mit diesem Gänseblümchen machen! Sich mit den zarten Blüten das Gesicht streicheln, ein Kränzchen für die Haare flechten, aber auch den Kartoffelsalat damit dekorieren, denn Gänseblümchen sind essbar. Man könnte Blütenblätter zählen, daran riechen oder es einfach stehen lassen, damit es weiterwachsen kann.

Bei Tina Welling ist das der zweite Schritt, das sogenannte Detailing, sprich die Sinne öffnen, hinschauen, lauschen, riechen, schmecken, tasten. Wobei sie deutlich darauf hinweist, dass man nicht alles in den Mund schieben möge, sondern nur das probieren solle, was man auch als ungiftig einordnen kann.

Um sich mit der Natur und all ihren Erscheinungen zu verbinden, ist es durchaus hilfreich, genauer hinzuschauen. Das Gänseblümchen klein, zart und lieblich – blüht von März bis November ununterbrochen. Selbst wenn der Rasenmäher da war, dann blüht es kurz darauf schon wieder. Es scheint viel Ausdauer und Kraft in ihm zu stecken.

Interessant wird es, wenn wir den dritten Schritt in dieser Naturerkundung gehen – das sogenannten Interacting: tiefer eintauchen in die Wahrnehmung – Gedanken und Gefühle oder auch Erinnerungen, die auftauchen, notieren. Man  kann sich fragen, was dieses Gänseblümchen für einen selbst bedeutet, welche Assoziationen ich mit ihm verknüpfen.

Ich bleibe an dieser besonderen Kombination hängen: klein-zart UND kraftvoll-ausdauernd. Mir fallen weitere interessante Kombinationen ein: Bambus ist extrem hart und dennoch biegsam und flexibel. Der Zitronenfalter, ebenfalls sehr zart, kann Temperaturen bis minus 20 Grad überstehen und ist im Frühjahr unter den ersten, die aus dem Laub kriechen.

Ich frage mich, ob auch wir Menschen solche sinnvollen Gegensätze kombinieren oder gar kultivieren könnten? Könnten wir kämpferisch UND friedlich sein, so wie Mahatma Gandhi? Könnten wir, so wie Gustave Flaubert es fordert, im täglichen Leben ordentlich-gleichförmig sein, in unserer Arbeit aber wild-originell?

Georgia O’Keeffe, eine der bekanntesten US-amerikanischen Malerinnen des 20. Jahrhunderts, hat immer wieder betont, dass Organisiertsein der Schlüssel zu produktiv-kreativem Arbeiten ist. Wie oft höre ich von Menschen, sie hätten keine Zeit zum Malen, zum Schreiben, zum Musizieren. Natürlich hängt das auch von der jeweiligen Lebenssituation ab. Mit drei kleinen Kindern zuhause ist das sicherlich nicht einfach. Auch mit einem intensiven Vollzeitjob bleibt wenig Zeit und Energie für kreatives Schaffen. Auf der anderen Seite verlieren sich viele Menschen in den sogenannten Social Media oder verbringen unnötigerweise Zeit mit dem Suchen wichtiger Unterlagen; angeblich summiert sich das Suchen von Dingen auf ein halbes Jahr unserer Lebenszeit.

Je besser ich also Alltag, Beruf und Haushalt organisiere, desto mehr Freiraum habe ich für kreatives Arbeiten. Gute Ideen dafür habe ich über meine Auseinandersetzung mit dem Thema Minimalismus gefunden. Hilfreich war auch, im Kalender einfach Zeiten zu blocken für kreatives Arbeiten. So habe ich im wahrsten Sinne der Wortes Frei-Raum für mein Treffen mit der Muse geschaffen.

Mein Dank gilt dem Gänseblümchen!

 

 

Sich schreiben mit der Natur verbinden. Zum Weiterlesen:

Tina Welling (2014): Writing Wild. Forming a Creative Partnership with Nature. Novato, California: New World Library.

 

  

 

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Magie des Staunens

Rachel Carson, Meeresbiologin und Naturschriftstellerin, hat mit ihrem Buch „Der stumme Frühling“, das 1962 erschienen ist, einen starken Impuls zur Gründung der internationalen Umweltbewegung gesetzt. Ihr Werk sowie ihr unermüdlicher Kampf führten schließlich zum Verbot von DDT. Sie gilt als eine der einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts.

Ein weniger bekanntes Büchlein ist die „Magie des Staunens“. Mit einem feinen Sinn für die Natur und die Bedeutung für uns Menschen beschreibt sie sehr einfühlsam, wie sie zusammen mit ihrem Großneffen Roger die Natur entdeckt. Das Buch hat mich verzaubert, und so gehört zu jenen seltenen Büchern, die ich schon mehrfach gekauft habe, um sie zu verschenken. Folgen wir doch einfach dem Text, der auf der Buchrückseite zu lesen ist: „Höre auf dein Herz und lerne das Staunen!“

Ich wünsche allen eine friedliche Zeit zum Staunen über die Wunder, die es überall zu entdecken gilt.

 

Rachel Carson (2019): Magie des Staunens. Die Liebe zur Natur entdecken. Erschienen bei Klett-Cotta

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Schreibcoaching in freier Natur

Wer schreibt, wünscht sich natürlich einen wunderbaren Schreibflow, bei dem die Worte nur so fließen und möglichst rasch ein guter Text entsteht; das gilt für das Schreiben einer Dissertation oder Reportage genauso wie für das Schreiben von Romanen oder Lyrik.

Doch was lässt sich machen, wenn der Schreibflow ausbleibt, wenn die Worte nur zögerlich aufs Papier finden, sei es nun analog oder digital? Was tun, wenn die Worte sich nur zäh zu Sätzen oder Absätzen zusammenfinden und es endlos Zeit braucht, die oftmals nicht gegeben ist?

Wie wäre es dann mit einem Schreibcoaching in freier Natur – vielleicht sogar direkt an einem Fluss?
  • Die Natur hilft uns durchzuatmen; frische Luft regt das Denken an.
  • Wir erweitern unseren Horizont im wahrsten Sinne des Wortes, denn wir entfernen uns von dem eng begrenzten Blick auf den Bildschirm; das eröffnet neue Perspektiven.
  • In der Natur lässt sich die Informationsflut reduzieren; dadurch können wir uns wieder fokussieren.
  • Wir sind langsamer unterwegs; das könnte der Muse gefallen.

Für mich ist das Schreiben in (fast) allen Phasen wertvoll, sei es in der kreativen Phase, in der ich Ideen brauche, sei es beim Strukturieren von Inhalten oder beim Überarbeiten.

Mein Schreibcoaching in freier Natur bietet dir die Möglichkeit, deine Schreibstrategie zu reflektieren, souveräner und leichter zu schreiben oder gar eine vorhandene Schreibblockade aufzulösen …

Hast du Interesse? Melde dich!
Ein Erstgespräch zur Klärung deines Anliegens ist immer kostenfrei.

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Wir sind die Arche

Wir sind die Arche

Mary Reynolds, renommierte Landschaftsarchitektin aus Irland, hat sich mit ihrem Buch „Wir sind die Arche“ eine umfangreiche Aufgabe gesetzt:
Mit einem dringenden Appell, der sich durch das ganze Buch zieht, möchte sie Menschen weltweit dazu motivieren, kleine ökologische Archen zu gestalten. In Bezug auf das dramatische Artensterben und den dadurch bedingten Verlust der Biodiversität schreibt sie: „Wir befinden uns in der Endphase eines akuten Notfalls, eines raschen Zusammenbruchs der Lebenserhaltungssyteme der Natur, und unser Überleben als Spezies steht in Frage“ (S. 32).

Manch einer mag es weniger dramatisch sehen, doch Insekten „bestäuben 75 % aller Nutzpflanzen und 90% aller blühenden Pflanzen […] Die Unfähigkeit der Pflanzen, sich ohne ihre Partnerschaft mit Insekten fortzupflanzen, würde schnell zu einem unfruchtbaren Planeten führen“ (S. 189).

Daher hat Reynolds das Projekt „We are the Ark“ ins Leben gerufen. Ark steht dabei nicht nur für Arche, sondern ist auch das Akronym für „Act of Restorative Kindness“ (Regenerative Zuwendung für die Erde). Auf anschauliche und für Laien gut lesbare Art und Weise führt sie in die komplexen Grundgesetze der Ökologie ein, nennt Zahlen und Fakten und schildert eine großen Bandbreite von Möglichkeiten, die umgesetzt werden können. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand nur einen Blumenkasten auf der Fensterbank hat, eine Terrasse, einen Garten oder gar ein großes Stück Land besitzt: Wir alle können Blühpflanzen aussäen, Totholz- oder Steinhaufen anlegen, eventuell Versiegelungen rückgängig machen, Nistkästen aufhängen, Stecklinge ziehen, Saatgut tauschen, unser eigenes Gemüse anbauen oder Bäume und Vogelschutzhecken pflanzen. Es geht darum, kleine und große Biotope zu schaffen und Teile des Gartens der sogenannten Wildnis zu überlassen; diese dient dann als sicherer Ort für Wildtiere, Vögel, Insekten und Kleinstlebewesen aller Art.

Trotz aller Anregungen sei es jedoch wichtig, so Reynolds, sich über das Buch hinaus zu informieren und sich Wissen anzueignen. So weist sie – in ihrem für eine weltweite Leserschaft geschriebenem Buch – darauf hin, dass man sich immer auch mit den klimatischen und gesetzlichen Gegebenheiten des eigenen Wohnorts befassen muss. Äußerst skeptisch sieht sie die vielen Angebote der Gartenindustrie, die nicht nur immer noch Chemikalien für Gärten anbietet, sondern oftmals auch völlig ungeeignete Produkte. Wenn in Bienenhotels giftige Klebstoffe verarbeitet werden, die einzelnen Bauteile nicht die richtigen Maße für Insekten haben oder sich obendrein schlecht reinigen lassen, so schaden sie mehr als sie nützen.

Die Hoffnung der Autorin hinter dem von Ruth Evans meisterlich illustrierten Buch: „Der Akt, so viele Archen wie möglich zu bauen und einen Patchwork-Quilt aus geheilter Erde zu schaffen, der sich rund um den Globus erstreckt, wird zweifellos einen Bewusstseinswandel in unserer Beziehung zur Erde bewirken. […] Wir sind hier, um Hüter zu sein (S. 35).

Zum Buch geht es hier:

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Schreib draußen

Schreiborte sind einfach Orte zum Schreiben, doch es muss nicht immer der Schreibtisch sein. Viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller hatten ein Lieblingscafé zum Schreiben – man denke nur an Simone de Beauvoir, Ernest Hemingway oder Erich Kästner. Andere werfen Notizen für das nächste Buch im Auto, zwischen Kindergroßziehen und Einkaufen, aufs Papier – wie Luise Kaschnitz.

Doch wie wäre es mal mit „Schreib draußen“: am Fluss, am See, im Wald, auf einer Bank im Stadtpark oder auf einem Baumstamm. Lou Andreas-Salomé schreibt am 25. August 1903 an Rainer Maria Rilke:

Lieber Rainer,

bin unterwegs und schreibe auf einem Baumstamm.
[…]

Lou.

Für ein Nature Journal oder für Nature Writing ist es essentiell, draußen zu schreiben, mit allen Sinnen die Natur und sich selbst in der Natur wahrzunehmen sowie diese Erlebnisse zu notieren – für Essays, Lyrik oder vielleicht auch als Ausgangspunk für eine Fantasy-Story.

Ich schreibe draußen gerne von Hand mit meinem Lieblingsfüller. Wichtig sind mir dabei eine feste Unterlage zum Schreiben, ein kleines Sitzkissen, falls es noch kalt ist, ein Fernglas, mein Handy mit Vogelbestimmungs-App und für Fotoaufnahmen.

Der Frühling lockt.

Liebe Leserinnen und Leser,

bin unterwegs und schreibe auf einem Baumstamm …

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Nature Writing Festival in Hamburg

Im Juni 2025 findet das erste Nature Writing Festival Deutschlands statt. Auf dem Programm stehen Lesungen, eine Vernissage mit Ausstellung, Vorträge und Gesprächsrunden. Themen wie „Wildnis und Kultivierung, „Wie geht es unserem Wald“, „Nature Writing im Poetry Slam“, „Nature Writing über Wasser“, „Vom Recht der Natur“ oder „Schwindende Gletscher“ – um nur einige zu nennen – laden ein, sich der Natur und dem Nature Writing anzunähern.

„Teilnehmende sind Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Schweden, Österreich, Weißrussland, Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz. Das Festival startet mit abendlichen Lesungen, gefolgt von drei themenbezogenen Tagen und schließt mit einer Exkursion. Das Festival ist das erste seiner Art in Deutschland.“ (https://europeanessays.eu/festival/)

 

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Nature Writing – Laubbäume im Winter erkennen

Für mich gibt es beim Schreiben unter anderem zwei Grundregeln:

  1. Schreibe nur über das, was du kennst. Wenn du es nicht kennst, lerne es zunächst kennen.
  2. Schreibe möglichst präzise. Das gilt nicht nur für Sach- und Fachtexte, sondern auch für Romane. Der Satz „Er schenkte ihr einen Strauß Blumen“ lässt ein blasseres Bild entstehen als der Satz „Er schenkte ihr einen Strauß roter Rosen“. Und welches Bild entsteht erst, wenn wir von einem Strauß Tulpen schreiben oder gar von einem Strauß Gänseblümchen?

Auch im Nature Writing ist es notwendig, sich auszukennen und präzise Bezeichnungen zu wählen. So habe ich mich seit Anfang des Jahres mit dem Erkennen von Laubbäumen befasst. Manche von ihnen sind auch im Winter ohne markantes Laub gut zu erkennen: Die Birke zum Beispiel mit ihrem weißen Stamm oder die Trauerweide mit ihren hängenden Zweigen, die jetzt, im Februar, schon grünlich-gelb leuchten und ein wenig Farbe in die grau-braune Landschaft zaubern. Auch Weidenkätzchen und Haselkätzchen lassen sich bereits gut erkennen – die einen silberfarben, die anderen leuchtend gelb …

Bei anderen Bäumen hilft ein genauerer Blick: Da ist der Bergahorn, an dem noch die vertrockneten und geflügelten Nussfrüchte (Nasenzwicker) zu finden sind oder die Erle mit ihren kleinen, schwarzen Zapfen.

Schließlich helfen bei der Bestimmung die Knospen: Sind sie grün, braun oder schwarz, behaart oder unbehaart, haben sie Schuppen (und wenn ja, wie viele), erscheinen sie paarig oder wechselständig und welches Aussehen hat die letzte Knospe am Zweig?

Seit ich einen Kurs* besucht habe, macht es mir viel Freude, genauer hinzuschauen und die einzelnen Bäume näher kennen zu lernen.

 

Besonders wertvoll finde ich das Buch von Margret Gruber-Stadler: Heimische Bäume bestimmen in allen vier Jahreszeiten. Freya Verlag. (2021, 5. Auflage)

Im Internet hilft das Baumportal weiter

 *Dieser Kurs wurde online von Field Studies Council angeboten

 

 

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Wolken, Wind & Wetter II

Es gibt so viele Möglichkeiten, den Wind bewusst zu erleben. Zum einen sind da die vielen Sportarten – Segeln, Surfen, Segelfliegen, Drachenfliegen, Kitesurfen – die mit Sicherheit erst einmal ein gründliches Lernen und Training voraussetzen, um dann mit der Kraft des Windes unterwegs sein zu können.
Wer es ruhiger mag, kann aber auch einfach einen Wind-und-Wetter-Spaziergang machen, sich den Wind ins Gesicht wehen und die Haare durcheinanderwirbeln lassen.

Wir können den Greifvögeln zuschauen, wie sie in der Thermik immer höher steigen oder wie die Seeschwalben im Flug mit dem Wind spielen. Wir können ganz ruhig auf einer Parkbank sitzen und den bunten Herbstblättern zuschauen, wie sie vom Wind zum Tanzen gebracht werden. Wir können aber auch nur einfach einen tiefen Atemzug nehmen und zum Beispiel die Waldluft einatmen, die nach feuchtem Moos und Pilzen riecht. Dabei können wir spüren, dass wir über unser Atmen Tag und Nacht mit dem Element Luft verbunden sind und ohne es gar nicht leben können (was wir natürlich alle wissen, aber selten bewusst wahrnehmen).

Und wie ist es mit all den Gerüchen, den angenehmen und unangenehmen, die uns der Wind unter die Nase weht? Da riecht es manchmal nach Zigarette oder Mülltonne, mal nach einem guten Parfum, nach Pizza oder dem Sonntagsbraten aus Nachbars Küchenfenster …

Wie wär’s also mit einem Windspaziergang – immer der Nase nach!
All die Eindrücke, Beobachtungen, Gedanken und Gefühle lassen sich übrigens wunderbar in einem Naturtagebuch festhalten …

 

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