Achtsames Schreiben

Karin Schwind Schreibcoach

Achtsames Schreiben

Es gibt unterschiedliche Ausrichtungen beim Achtsamen Schreibens, dabei können Elemente wie bewusstes Wahrnehmen, Selbsterkenntnis, Meditation oder auch Kreativität und Inspiration eine Rolle spielen.

Im Folgenden stelle ich drei unterschiedliche Ausrichtungen vor, wobei sich diese in der Praxis durchaus überschneiden. Letztlich lassen sie sich aber alle mit dem „Rad der Achtsamkeit“, das der Psychiater Daniel J. Siegel entwickelt hat, in Verbindung bringen. Dabei spielen zum einen die klassischen fünf Sinne eine Rolle, zum anderen aber auch mentale Aktivitäten, Körperempfindungen sowie die Beziehungen zu uns selbst, unseren Mitmenschen und unserer Umwelt.

  1. Den Schreibprozess bewusst erleben

Achtsames Schreiben lässt sich auf den eigenen Schreibprozess anwenden: Wie schreibe ich, welche Körperhaltung tut mir gut, wie gehe ich mit meiner Inneren Kritikerin, mit meiner Inneren Perfektionistin um? Welche Schreibstrategie nutze ich? Ist sie zielführend?
In diesem Bereich dient die Achtsamkeit mit dem Fokus auf das eigene Schreiben dazu, den Schreibprozess bewusst zu erleben, sich das Schreib-Leben leichter zu machen und souveräner zu schreiben. Dies ist hilfreich für alle, die viel schreiben müssen oder wollen, ganz gleich, ob es sich dabei um einen Roman oder eine Doktorarbeit handelt.

  1. Schreibend meditieren und zur Ruhe kommen

Achtsames Schreiben kann aber auch im Hinblick auf die Achtsamkeit selbst geübt werden und bekommt dadurch einen eher meditativen Charakter. Eine Möglichkeit ist das sogenannte Slow Writing, einem langsamen (Ab-)Schreiben von inspirierenden Texten, um zur Ruhe zu kommen und die eigene innere Mitte (wieder)zufinden. Schreibimpulse lassen sich dabei auch mit dem Atem oder mit Wahrnehmungsübungen verbinden. Das kann helfen, sich selbst besser zu spüren. Für diese Art des Schreibens sind lediglich Papier und Stift sowie ein ruhiger Ort notwendig.

  1. Sich Kopf und Seele freischreiben

Inzwischen ist zudem gut erforscht, wie heilsam sich das Schreiben sowohl auf mentale Prozesse als auch auf das Gefühlsleben auswirkt. Der Psychologe James W. Pennebaker hat in seinem Buch „Heilung durch Schreiben“ die Wirkung des expressiven Schreibens nicht nur im Rahmen seiner Forschung dargestellt, sondern auch eine präzise Anleitung für ein viertägiges Schreibexperiment formuliert. Dabei geht es darum, ohne Rücksicht auf Rechtschreibung oder Grammatik einfach frei drauloszuschreiben. Die so entstehenden Texte sind immer privat und nicht für Leser_innen gedacht; sie dienen dem "Ablegen" belastender Ereignisse, können bei Bedarf aber reflektiert werden.

"Schreiben heißt sich selber lesen.“ (Max Frisch) Daher kann Achtsames Schreiben der eigenen Klarheit dienen, denn durch das geschriebene Wort können wir bei uns selbst nachlesen und unser implizites Wissen entdecken. Besonders hilfreich ist hier das Freewriting, das mit unterschiedlichen Schreibimpulsen genutzt werden. Julia Cameron hat diese Form des freien Drauflosschreibens als sogenannte Morgenseiten vielen Menschen nahegebracht. Diese Form kann aber auch als "forschendes" Schreiben für das Schreiben in der Wissenschaft oder beim (Er)Schreiben von Inhalten, zum Beispiel bei einem Roman, genutzt werden, womit sich der Kreis zu Punkt eins schließt.

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